Weiterso mit ungewissem Ausgang?

InitiativeD2030 Einladung, Online-Dialog, Szenarioprozess

Im Wahljahr 2017 werben viele Parteien für ein Weiterso mit Wachstum. Aber wie kann eine solche Zukunft aussehen? Und ist sie wünschenswert? Im zweiten, offenen Online-Dialog der Initiative D2030 kann man sich ein Bild davon machen – und seine Meinung äußern.

Was passiert eigentlich, wenn wir auch morgen vor allem auf Wachstum setzen?

In Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein hat es bereits unübersehbar begonnen: Das Wahljahr 2017. Und bald werden wohl überall in Deutschland große bunte Wahlplakate vor allem eine Botschaft verkünden: Weiter so, nur ein bisschen besser als bisher – und von allem noch ein bisschen mehr! Die Konzepte und Kampagnen der meisten Parteien und auch die Wünsche vieler Bürgerinnen und Bürger scheinen sich auf eine solche Zukunft zu fokussieren. Sie wünschen sich viel Kontinuität und wenig Veränderung, von einem stabilen Wirtschaftswachstum einmal abgesehen. Korrekturen am bisherigen Kurs erscheinen ihnen nur dort angebracht, wo jetzt schon offensichtliche Missstände herrschen. Aber kann das funktionieren?

Vielleicht schon. Noch bis Ende Mai 2017 läuft der zweite Online-Dialog der gemeinnützigen Initiative D2030, in dessen Rahmen alle interessierten Bürgerinnen und Bürger Rohszenarien zu möglichen Zukünften Deutschlands im Jahr 2030 bewerten können. Eines von vier Grundszenarien heißt dabei „Spurtreue Beschleunigung“. Und es drückt ziemlich genau das aus, worauf derzeit viele Menschen in Deutschland zu setzen scheinen: Die Verlängerung unserer Gegenwart in die Zukunft, nur ein bisschen schneller, ein bisschen moderner, und womöglich auch ein bisschen klüger.

Vielleicht kann es ja klappen, mit dem Weiterso, vielleicht winkt in 2030 ein echter „Wohlfühlwohlstand“, wie im Subszenario 1C. Natürlich heißt Beschleunigung mehr Markt und weniger staatliche Regulierung, mehr digital und weniger analog. Aber das muss nicht zwangsläufig den Verlust von sozialem Zusammenhalt und Lebensqualität bedeuten. Ein auf den globalen Wettbewerb eingestelltes Deutschland könnte mit modernisierten Industrien und Dienstleistungen gut bezahlte Jobs und damit Wohlstand auch für untere und mittlere Schichten schaffen. Denn noch immer kann gelten: Je größer das BIP, desto größer der gesamtgesellschaftliche Wohlstand.

Auf einem solchen Kurs heißt es natürlich die Spoiler einklappen und Ballast abwerfen, etwa durch eine geschickte Privatisierung sozialer Sicherungssysteme. Doch wo Geld gespart wird und die Effizienz steigt, bleibt vielleicht genug übrig, um alle zu versorgen. Und auch wenn die Welt für langwierige Nachhaltigkeitsprojekte zu schnelllebig geworden ist, kann mit moderner Technik – möglichst made in Germany – so manches ökologisches Problem gelöst werden. So kann ein kleines Wirtschaftswunder 2.0 gelingen. Und wenn sich ‚Leistung wieder lohnt‘ können auch Zuwanderer leichter integriert werden, und auch die EU gewinnt wieder an Unterstützung.

Volle Fahrt voraus auf der Wachstumsspur?

Alles gut auf der Wachstumsspur also? Es kann auch anders kommen, wie das Subszenario 1B zeigt. Nicht jeder wird in der neuen, digitalen Wirtschaftswunderwelt zwangsläufig auf der Gewinnerseite stehen. Vielleicht kommt es gar zu einer Spaltung des Arbeitsmarktes und – angesichts gesund geschrumpfter, zusehends privater Sozialfürsorge – auch zu einem Auseinanderdriften der Gesellschaft. Arbeit hat, wer auf der Höhe bleiben kann. Wer nicht, wird abgehängt. Die Unternehmen buhlen um qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland, dieweil laborieren die Daheimgebliebenen an deren mühseliger Integration. Wohlfühlwohlstand sieht anders aus. Aber ein dramatischer Niedergang auch.

Der allerdings droht im Subszenario 1A „Unaufhaltsamer Abstieg“. Im globalen Wettbewerb und Wettlauf von Deregulierung und Liberalisierung kann Deutschland nicht mehr erreichen, als zur verlängerten Werkbank des einen oder anderen großen Tech-Konzerns aus dem Ausland zu werden. Angst vor Technik und Veränderung verhindern einen wirklich gelungenen Übergang ins digitale Zeitalter. Deutschland wird langsam aber sicher zum Schwellenland, mit niedrigen Löhnen und Arbeitskosten, aber ohne Zukunftsbranchen und mit immer weniger ausreichend qualifizierten Arbeitskräften. Der Verteilungskampf in den unteren und mittleren Schichten wird härter, die Toleranz für Zuwanderung schrumpft. Es weht ein kalter Wind – und die Globalisierung verliert endgültig ihren Kredit in der Normalbevölkerung.

Die erheblich voneinander abweichenden Varianten des Szenarios „Spurtreue Beschleunigung“ zeigen: Ein Weiterso mit Wachstum in digitaler Hochgeschwindigkeit bringt auch Risiken mit sich. Wer wenig verändern aber von allem ein bisschen mehr will, muss sich unter Umständen darauf gefasst machen, dass 2030 die Welt dann doch ziemlich anders aussieht als heute. Vielleicht aber gelingt es dennoch, die Weichen für eine positive Zukunft richtig zu stellen?

Ihre Meinung ist gefragt!

Was aber ist richtig? Auch zur „spurtreuen Beschleunigung“ lassen sich schließlich Alternativen denken. Eine konsequente Neuerfindung von Wirtschaft und Gesellschaft, wie sie etwa das Grundszenario 2 „Neue Horizonte“ in Aussicht stellt, oder auch den bewussten Rückzug in eine verlangsamte Ökogesellschaft (Szenario 3). Und schließlich die Wiederbelebung „Alter Grenzen“ und altmodischen Denkens im Szenario 4. Und was glauben Sie? Das Grundszenario 1 der spurtreuen Beschleunigung können Sie jetzt im D2030-Online-Dialog ebenso einschätzen, bewerten und kommentieren wie alle anderen Grund- und Subszenarien.

Und Ihre Einschätzung ist entscheidend! Denn wie Deutschland in 2030 aussieht, das entscheiden weder Wahlkampagnen noch Zukunftsforscher allein, sondern am Ende nur wir alle gemeinsam. Beteiligen Sie sich darum jetzt an einem offenen Dialog über Deutschlands Zukunft! Wenn Sie wollen, folgen Sie sofort dem Link zum Online-Dialog. Wenn Sie mögen, teilen Sie diesen Artikel und den Hinweis auf den Dialog. Und wenn Sie jetzt erst so richtig neugierig geworden sind und noch mehr wissen wollen, über den Online-Dialog und die Initiative D2030, schauen Sie sich auf d2030.de und in diesem Blog gern noch ein wenig um.

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