Eine Einladung zum Weiterdenken

InitiativeD2030 Fachbeirat, Kernteam, Konferenz, Neuigkeiten, Szenarioprozess, Zukunftsthemen

Foto: Andreas Schulz

In Berlin hat die D2030-Zukunftskonferenz stattgefunden. Sie verläuft lebhaft, produktiv und kontrovers. Und endet mit dem aufklärerischen Appell der InitiatorInnen, die Zukunft selbstbestimmt mitzugestalten. Eine Botschaft, die jedenfalls bei den Teilnehmenden der Konferenz ankommt.

Am Ende ist es Klaus Burmeister, zusammen mit Beate Schulz-Montag Hauptinitiator von D2030 und hochzufriedener Gastgeber einer in dieser Form einmaligen Konferenz zur Zukunft Deutschlands, der es auf den Punkt bringt. Nachdem über 125 Teilnehmende über anderthalb Konferenztage hinweg in der Colonia Nova in Berlin-Neukölln die D2030-Szenarien erläutert, diskutiert, kritisiert und zum Ausgangspunkt für ebenso kontroverse wie ertragreiche Gespräche genommen haben, klingt Burmeisters Fazit auf den ersten Blick fast etwas trivial: „D2030 ist eine Einladung zum Weiterdenken.“ Aber wer bis dahin an der Konferenz teilgenommen, den Szenarioprozess verfolgt und bis zum fulminanten (indes vorläufigen) Abschluss am heutigen 07. Juli 2017 mitgefiebert hat, spürt, was damit gemeint ist.

Die Szenarien von D2030 bleiben in ihrer Allgemeinheit, in dem fast schon kühnen Versuch, die Zukunft eines ganzen Landes über einen Zeitraum von dreizehn Jahren, zumindest ein wenig vorwegzunehmen, zwar zwangsläufig noch etwas abstrakt. Doch das allen Unwägbarkeiten der Zukunft zum Trotz intensive und hochgradig versierte Nachdenken über die Zukunft – ob im Kernteam und wissenschaftlichen Fachbeirat, ob in der Rücksprache mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern – es hat bereits einen konkreten Ertrag erbracht: Mit den Szenarien für Deutschland im Jahr 2030 liegt jetzt ein handfester Ankerpunkt vor, an dem eine Diskussion über die Zukunft anknüpfen kann.

Die Initiator/innen von D2030 konnten bei der Konferenz die Früchte ihres Engagements ernten: Beate Schulz-Montag (in der Bildmitte stehend) traf auf gespannte Zuhörer… (Foto: Andreas Schulz)

Oder hängenbleiben. Und das nicht im negativen, sondern in einem sehr produktiven Sinne, wie es immer wieder während der Konferenz geschieht. Selbst an den eher positiv anmutenden und von vielen Teilnehmenden der D2030-Online-Dialoge gewünschten Szenarien haben viele Diskutanten etwas auszusetzen. Zum Stein des Anstoßes wird etwa die in vielen Szenarien abnehmende Rolle traditioneller Erwerbsarbeit, die bei Gastreferentin Tanja Smolenski vom IG-Metall-Vorstand einen gewissen Widerstandsgeist weckt und altbekannte Sympathien für die Vollbeschäftigung sichtbar werden lässt. Auch die weit gehend positive Sicht auf die digitale Transformation in den eher optimistischen 2er-Szenarien führt bei vielen Teilnehmenden zu Stirnrunzeln und manchmal auch zu Fundamentalkritik. Die Erkenntnis setzt sich durch: Über die Zukunft muss noch viel mehr nachgedacht, gemeinsam diskutiert und auch gestritten werden.

Gemeinsam wird Zukunft gestaltbar

Und so sind es am Ende wohl weniger die ersten Schlussfolgerungen und Lösungsansätze, die sich an die ausführliche Diskussion der D2030-Szenarien in intensiven Arbeitsgruppen anschließen, die bei den Teilnehmenden den stärksten Eindruck hinterlassen. Denn hier muss in der Tat noch kritisch und kreativ weitergedacht werden, ganz wie es (Mit)Initiator Klaus Burmeister vorschwebt. Es ist vielmehr die Erkenntnis, die im gemeinsamen Nachdenken, Streiten, Zweifeln und bisweilen auch Kopfzerbrechen über die Zukunft reift und schließlich für alle spürbar wird: Wenn wir uns gemeinsam, mit Mut und Tatendrang, mit Kreativität und kritischem Denken und ohne Scheu vor Neuem und Unbekannten der Herkulesaufgabe der Gestaltung der Zukunft eines ganzen Landes stellen…dann scheint diese gigantische Herausforderung plötzlich auf menschliches Maß zu schrumpfen.

…und Klaus Burmeister hatte seine Freude an den inspirierenden Gästen und den vielfältigen Diskussionen. (Foto: Andreas Schulz)

Erfreut und manchmal vielleicht auch überrascht erkennen nämlich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz in den anderen den Partner, die Weggefährtin, den kritisch konstruktiven Begleiter bei den eigenen Versuchen, Zukunft zu denken und zu gestalten. Das Zusammenkommen und Zusammenfinden von so vielen im Denken und Handeln aktiv nach vorne gerichteten Menschen scheint – zumindest in diesem Augenblick – schon vorwegzunehmen, was Prof. Dirk Helbing, Lehrstuhlinhaber an der ETH Zürich und Mitglied des Fachbeirates, noch als Herausforderung beschreibt: Dass wir wieder träumen lernen und Hoffnung finden müssen, um eine besser Zukunft zu gestalten. Hier in der Colonia Nova, in der Gesellschaft so vieler Menschen, die genau das eifrig versuchen, scheint ein solcher Geisteszustand zum Greifen nah. Wahrscheinlich ist es diese Stimmung, die den Autoren, renommierten Zukunftsforscher und Ostdeutschen Dr. Karlheinz Steinmüller den Vergleich zur Zeit der Friedlichen Revolution in der DDR suchen lässt.

Der D2030-Prozess geht weiter

Aber wie verwandelt man Träume in Wirklichkeit? Dr. Kerstin Cuhls vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung bringt es auf den Punkt und liefert das Motto für die weiteren Aktivitäten bei und um D2030: „Langfristig denken, jetzt handeln!“ Und so soll es kommen: Im Anschluss an die Konferenz wird ein Memorandum zur Bundestagswahl entstehen, das Politik und Gesellschaft Orientierung für eine vorausschauende Gestaltung von Deutschlands Zukunft bieten soll. Das von Gunnar Sohn gestartete Blog „Die Zukunft beginnt jetzt!“ wird fortgeführt: Mit konkreten Projekten im Sinne der dezentralen FutureHubs, mit dem virtuellen Studio Z und kontroversen Diskursen zur Zukunft. Die D2030-Szenarien werden jetzt noch einmal überarbeitet und die Erkenntnisse und Ergebnisse aus der Konferenz darin eingeflochten. Auch ein dritter Online-Dialog ist geplant, an den eine Perspektiv-Diskussion anschließen soll. Denn Ende September 2017 geht zwar der Szenarioprozess offiziell zu Ende, die Zukunft aber will weiter gestaltet werden.

Und übrigens: Die Aufforderung zum Weiterdenken verhallt nicht ungehört. Nur wenige Tage nach der Konferenz in Berlin kommen engagierte Mitglieder und Begleiterinnen von D2030 in Düsseldorf zusammen, um konkrete Schritte zum Aufbau eines D2030-Hubs in der Region Rhein/Ruhr zu unternehmen. Sie beherzigen, was Kai Goerlich, Chief Futurist von SAP und Mitglied im Kernteam auf der D2030-Zukunftskonferenz mehrmals emphatisch wiederholte: Wir haben es in der Hand, wir sind die Gestalterinnen und Gestalter unserer Zukunft!

Wer die Konferenz nochmals im Detail nachvollziehen möchte, kann das an Hand der von Gunnar Sohn erstellten Videos der einzelnen Sessions tun oder sich mit Hilfe der Bilder von „Ingenieurversteher“ und D2030-Medienpartner Andreas Schulz einen Eindruck verschaffen.