Digitale Transformation und die Zukunft von Wirtschaft und Arbeit

Die Initiative D2030 veröffentlicht an dieser Stelle fortlaufend Interviews zu zentralen Zukunftsthemen.

Wir beginnen mit Gesprächen über den Stand von Automatisierung und Industrie 4.0 sowie über die Zukunft der Arbeit und der Künstlichen Intelligenz.

Die Interviews mit ausgewählten Vertretern aus Wirtschaft, Industrie und Forschung führt der Journalist und Autor Bert Beyers, Mitglied des D2030- Kernteams.

Henning Kagermann

Prof. Dr. Dr. , Präsident von acatech
maßgeblicher Mitgestalter der Hightech-Strategie der Bundesregierung und von „Industrie 4.0″

Christoph Keese

Executive Vice President bei Axel Springer
Autor von „Silicon Germany“ und „Silicon Valley Germany“                                    

Kerstin Jürgens

Prof. Dr. Kerstin Jürgens, Professorin für Mikrosoziologie, Universität Kassel & Vorsitzende der Kommission „Arbeit der Zukunft“, Hans Böckler Stiftung            

Wilhelm Bauer

Prof. Dr., Institutsleiter Fraunhofer IAO
Themen: Leben und Arbeiten in der Zukunft, Smart Cities, Mobilitätssysteme

D2030 –
Best und Worst Case Szenarien

Interviews

Zukunft der Medien 2030
Best Case – Worst Case
Prof. Dr. Hektor Haarkötter

Fachbereichsleiter Journalismus und Kommunikation an der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft am Campus Köln

Zukunft der Bildung 2030
Best Case – Worst Case
Prof. Dr. Christoph Igel

CeLTech – Centre for e-Learning Technology im
Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz Berlin                        

Christoph Keese

Executive Vice President bei Axel Springer
Autor von „Silicon Germany“ und „Silicon Valley Germany“                                    

Christoph Keese warnt vor einem künftigen „Technikmuseum Deutschland“. Wo kaum noch digitale Wertschöpfung stattfindet.

Für Christoph Keese ist die Disruption eine Form der Innovation, die bestehende Marktstrukturen zerstört und durch neue ersetzt. Beispiel Automobilbau: In dem Maße, wie sich autonome Fahrzeuge durchsetzen, werden sich die Businessmodelle rund um das Auto verschieben. Die Menschen werden während der Fahrt möglicherweise im Internet shoppen, die nächste Urlaubsreise buchen oder Filme anschauen. Das meiste Geld wird in der Automobilbranche dann nicht mehr mit dem Verkauf von Autos verdient. Die entscheidenden Wertschöpfungsprozesse finden während der Fahrt über digitale Services statt.

Christoph Keese sagt, wie Unternehmen und der Staat auf die neuen Rahmenbedingungen reagierten sollten. Damit wir im Jahr 2030 nicht in einem „Technikmuseum Deutschland“ landen. Wo nur noch die Hüllen für die Geräte der digitalen Arbeits- und Lebenswelten hergestellt werden. Während die digitale Wertschöpfung andernorts stattfindet.

Wilhelm Bauer

Prof. Dr., Institutsleiter Fraunhofer IAO
Themen: Leben und Arbeiten in der Zukunft, Smart Cities, Mobilitätssysteme

Wilhelm Bauer ist optimistisch, dass Deutschland die digitale Transformation bewältigen kann. Er fordert eine Unterstützung der Mittelstandes.

„Die Arbeit wird uns nicht ausgehen“, sagt Wilhelm Bauer. Nicht solange die Menschen gerne arbeiten und ihre Erfüllung darin finden. Deutschland kann den Transformationsprozess hin zu einer digitalen Wirtschaft schaffen. In der Ausbildung sind dafür erforderlich: Informatik, Medienwissenschaften und Mathematik.
Dabei muss nicht das gesamte Leben digital ausgerichtet sein. Beispiel: Gesundheitssystem. In der Betreuung und in der Pflege ist der Kontakt von Mensch zu Mensch auch in Zukunft wichtig. Mitarbeiter in diesen Bereichen müssen nicht selber Informatiker sein. Aber sie sollten zusammen mit Informatikern neue Geschäftsmodelle entwickeln können. Dabei werden Plattformen, auf denen Services angeboten werden, immer wichtiger. Vorbild ist z.B. Apple mit seinem App-Store.
Bauer sieht keinen Grund, weshalb deutsche Unternehmen es nicht schaffen sollten, neue Anwendungen und Plattformen zu entwickeln. Mittelständische Unternehmen benötigen dabei allerdings Unterstützung. Bei aller Digitalisierung und Automatisierung – die letztliche Verantwortung soll in der Hand der Menschen bleiben.

Henning Kagermann

Prof. Dr. Dr. , Präsident von acatech
maßgeblicher Mitgestalter der Hightech-Strategie der Bundesregierung und von „Industrie 4.0″

Im Best Case-Szenario für Deutschland 2030 sieht Kagermann für Deutschland und Europa die ersten autonomen Fahrzeuge unterwegs. Industrie 4.0 hat sich international durchgesetzt und die Mehrheit der Deutschen hat ein positives Verhältnis zu technischen Innovationen, sieht sie als den entscheidenden Treiber der Zukunftsfähigkeit des Landes.

Im Worst Case sieht Kagermann (nach Großbritannien) weitere Länder aus der EU austreten. Deutschland wird zunehmend isoliert und die digitale Transformation verliert sich im Kleinklein. Das führt zu einer sozialen Spaltung, sowohl in Unternehmen wie in der Gesellschaft insgesamt. Das Vertrauen der Menschen in eine ökosoziale Marktwirtschaft in Europa geht zurück.

Kerstin Jürgens

Prof. Dr. Kerstin Jürgens, Professorin für Mikrosoziologie, Universität Kassel & Vorsitzende der Kommission „Arbeit der Zukunft“, Hans Böckler Stiftung            

Nach Kerstin Jürgens werden die Menschen auch 2030 nicht in menschenleeren Fabriken arbeiten, aber sie werden andere Aufgaben vorfinden. Große Auswirkungen wird die Entwicklung der künstlichen Intelligenz haben. Das betrifft auch die Berufsbilder von Journalisten, Lehrkräften und Ärzten.

Dem technologischen Fortschritt und dem Markt das Feld zu überlassen ist für Jürgens keine gesellschaftlich sinnvolle Perspektive. Der deutsche Maschinenbau und die deutsche Ingenieurskunst würden zu Zulieferern globaler Konzerne werden, die den globalen Markt dominieren. Die Herausforderung wird darin bestehen, den Staat handlungsmächtig zu machen, um Einnahmen zu generieren. Damit er weiterhin Forschung, Wissenschaft und Innovation fördern kann. Und damit die Menschen über Erwerbseinkünfte ihre Existenz absichern und in die Zukunft ihrer Kinder investieren können.

Future Talk auf der CeBIT 2017

Interviews

Auf Einladung unseres Medienpartners, der Technology Review, und in Kooperation mit unseren Partnern, Charta digitale Vernetzung & BridgingIT, konnten wir unsere Ziele und erstmals die D2030 Rohszenarien (in der Beta-Version) vorstellen und diskutieren.

Beate Schulz-Montag

Geschäftsführerin der D2030 gUG

Dr. Alexander Fink

Mitglied des D2030 Kernteam und Vorstand der ScMI AG